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Auf dem Kreuzfahrtschiff in Asien als Corona ausbrach!

Kreuzfahrtschiff

Corona Virus, ach das verfliegt gleich wieder sagten wir uns in den Anfängen.
Dass wir möglicherweise auf dem Kreuzfahrtschiff in Quarantäne gefangen sein könnten, so weit dachte bisher keiner...

Dies ist ein Reiseerlebnis der besonderen Art, deshalb lass uns von vorne beginnen!

Es war Mitte Januar 2020 auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAvita, unterwegs in Asien. Dort arbeitete ich seit Oktober 2019 als Rezeptionistin.

Kreuzfahrtschiff

Die Meldungen über den Ausbruch des Corona Virus in Wuhan wurden immer lauter -  bis wir davon hörten, dass das Princess Kreuzfahrtschiff bereits Krankheitsfälle an Bord hatte und das ganze Schiff deshalb unter Quarantäne lag. Ein paar Tage später wurde über ein Costa Schiff gemunkelt ...

Hmm, prima Vorstellung, 14 Tage lang in einer Innenkabine eingesperrt zu sein, nur alle zwei Tage kurz raus zu dürfen und das mit einem Corona Virus an Bord?!

Noch schlimmer für die Crew, denn wir wohnten zu zweit in einer acht m² Kabine ohne Tageslicht.

Schnell weg mit dieser Vorstellung!

Mein Abstieg in Hongkong Mitte Februar 2020 stand bevor. Ich bangte sehr darum, ob das so klappen würde! Meine Flugbestätigung für Hongkong hatte ich immerhin schon.
Du kannst es dir denken, ich wollte wirklich nach Hause!

Kreuzfahrtschiff

Hongkong

Mittlerweile zweifelte jeder, ob wir Hongkong wegen der schnellen Ausbreitung des Corona Virus überhaupt anfahren könnten. Was hätte das für mich bedeutet?

  • Auf See gefangen in einem Kreuzfahrtschiff
  • Tobende Gäste an der Rezeption ertragen
  • Quarantäne
  • Ein verspäteter Abstieg, was zur Folge gehabt hätte, dass ich meinen geplanten Urlaub verpasse! 

 
Bis dato hatte ich 14 Monate durchgearbeitet und meinen Freund sechs Monate nicht gesehen. Wir planten einen gemeinsamen Urlaub nach Miami und Costa Rica. Alles war schon gebucht!

Zwischen meiner Heimkehr vom Schiff und dem Urlaub, hätte ich zwei Wochen Zeit gehabt, um meine Freunde und Familie wiederzusehen!

Meine größte Angst war, dass mein Urlaub durch einen verspäteten Abstieg ins Wasser fällt und ich meinen Freund - der in den USA lebt, wegen Corona vielleicht gar nicht mehr sehen werde!

Zudem brauchte ich dringend einen neuen Reisepass, denn meiner war nach fünf Jahren voll! Einen Reisepass online beantragen geht nicht, und selbst mit Express-Bestellung dauert das mindestens drei Werktage.

"Auf keinen Fall verspätet in Singapur absteigen, denn dann schaffe ich es nicht, meinen neuen Reisepass zu bekommen und kann meinen Urlaub somit komplett vergessen!!"


Dieses Thema ließ mir keine Ruhe mehr!

Reiseblog für digitale Nomaden

Ich hatte einen Traum, dass mein Flug Verspätung hatte und ich deshalb auf eine Veranstaltung, auf die ich in München eingeladen gewesen war, verpasse. Toll, mein mulmiges Gefühl wurde dadurch nicht besser!

Einige Tage später hatte ich einen zweiten Traum. Mir wurde gesagt, dass Hongkong offiziell nicht angefahren wird.

Als ich am Morgen zur Arbeit ging, erhielten wir tatsächlich, genau wie in meinem Traum, die Nachricht, dass sich AIDA entschlossen hat, die Route zu verlegen und Hongkong nicht anzufahren.

Kreuzfahrtschiff

Während des ganzen Prozesses orientierten wir uns an der WHO und dem Auswärtigen Amt. Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen dem Corona Virus den weltweiten Notstand ausgerufen - somit war unsere Entscheidung klar!

Einige unserer lieben Gäste forderten sofort ein Beschwerdeformular, da sie mit der „willkürlichen“ Routenänderung nicht einverstanden waren. Willkürlich?

Menschen sterben, Schiffe liegen in Quarantäne, Hongkong schließt die Häfen für den Schiffsverkehr und die sprechen von willkürlich???

Die neue Route geht nach Vietnam, hieß es.
"Auch schön, dann sehe ich die Halong Bucht vielleicht doch noch!" Wann wir von der Crew absteigen dürfen, stand allerdings noch nicht fest!

Nach einigen Tagen kam die erlösende Nachricht: Wir sollten in Cai Lan / Vietnam von Bord gehen. Allerdings schob sich mein Abstieg somit zwei Tage nach hinten. 

Merkt ihr was?
Mein erster Traum hat sich auch bewahrheitet, denn mit dem späteren Abstieg verpasste ich die Veranstaltung in München. Irgendwie gruselig!

Überglücklich waren wir alle von der Crew, als unsere neuen Flugzeiten endlich im System standen. Pläne mit Familie und Freunden wurden gemacht.

Digitales Nomadentum in Freiheit

In der Nacht als wir auf Cai Lan zugefahren sind, erzählte mir meine Zimmermitbewohnerin,  sie hätte gehört, dass wir umdrehen. Na toll, so eine Info genau zum Einschlafen. Du kannst dir vorstellen, dass ich die halbe Nacht wach war!

Als ich am Morgen ins Büro kam, fragte ich als erstes, wo wir hinfahren. „Wir wissen es nicht“ war die Antwort und sie lachten dabei. „Das ist kein Scherz“ entgegnete ich energisch und brach in Tränen aus!

Das war zu viel für mich! Ich wollte sofort von diesem Kreuzfahrtschiff runter. Noch schlimmer war der Gedanke, dass wir wochenlang herumirren, weil uns kein Hafen mehr reinlässt und wir dann nach Hamburg durchfahren. Dann wäre ich irgendwann im Sommer heimgekommen ...

Kreuzfahrtschiff

An der Rezeption kamen die Gäste zum Geldwechseln und wir mussten ihnen sagen, dass das hinfällig sei, weil wir gar nicht mehr nach Vietnam fahren.

Es stimmt, wir mussten nachts wenden, weil Vietnam beschlossen hat, dass sie keine Schiffe mehr reinlassen! Erst mit der Durchsage des Kapitäns um 10:00 Uhr wussten wir alle mehr!

Als die Durchsage kam, war es muchsmäuschenstill auf dem Kreuzfahrtschiff. Singapur sollte das neue Ziel sein. Aber was ist, wenn Singapur auch kurz vorher dicht macht?

Am Nachmittag hielt der Kapitän im Theater eine Rede und erklärte die neue Route, welche über Thailand gehen sollte. "Aha, wir fahren jetzt also nach Thailand!"

Die Gäste überrannten uns an der Rezeption mit Beschwerden. Flugumbuchungen mussten erneut aufgenommen werden. Flug-Extras, welche sich nicht dazu buchen ließen, wurden trotzdem vergeblich angefragt ...

Es war die Hölle für alle Beteiligten! Das für Rezeptionisten geforderte Dauergrinsen war nicht mehr möglich. Ich fragte mich wirklich, warum ich diesen Job überhaupt mache!

Dann erhielt ich die Bestätigung, dass ich auch in Bangkok absteigen werde, mit erneuten zwei Tagen Verspätung. Egal, Hauptsache heim. Und meinen Reisepass schaffe ich auch noch!  

Kreuzfahrtschiff

Einen Tag später kamen wir ins Büro. Unsere asiatischen Kollegen vom Housekeeping sortierten kistenweise Briefe in Briefumschläge. Das haben sonst immer wir gemacht. Uns war klar, da stimmt was nicht!

Was da drauf stand, durften wir nicht lesen, und unsere asiatischen Kollegen konnten es nicht lesen!

Am Nachmittag wurde das Geheimnis gelüftet. Ich war schweißgebadet und durch mit meinen Nerven, denn ich war mir sicher, es heißt jetzt, dass wir Bangkok auch nicht mehr anfahren dürfen.

Aber zu meiner Erleichterung wurde verkündet, dass die AIDAvita ihren Dienst einstellt und alle Gäste übermorgen in Bangkok von Bord müssen . Juhu, also auch ich!

Kreuzfahrtschiff

Erneut mussten neue Flugzeiten für 1500 Gäste rausgegeben werden. Das Spektakel will ich gar nicht mehr beschreiben. Die vergangenen 24 Stunden und die darauffolgenden zwölf Stunden ab dieser Meldung, gehörten jetzt im Nachhinein betrachtet, zu den schlimmsten Stunden meines Lebens!
Beim Mittagessen pochte mein Herz so heftig, dass ich dachte, der Herzinfarkt erlöst mich von der wütenden Meute.

Erneut alle zum Fiebermessen, Farewell Party und dann ging es endlich heim für mich. Ich machte drei Kreuze, als ich wirklich im Flieger saß!

Endlich dem Corona Virus Drama auf dem Kreuzfahrtschiff entkommen und sicher nach Europa. Dort wurde die ganze Situation noch gar nicht richtig ernst genommen. Die haben nicht miterlebt, was wir in Asien erlebt haben ...

Danke, diese Erfahrung reicht einmal im Leben!

Einige Kollegen von mir, auch auf anderen Schiffen, saßen wirklich viele Monate fest und wussten nicht, wann sie endlich absteigen dürfen. Meine Angst war also nicht unbegründet!


Meinen Urlaub in Miami und Costa Rica konnte ich glücklicherweise durchziehen!

Nur in der zweiten Woche meiner Gruppenreise, welche ich nach dem "Wiedervereinigungsurlaub" mit meinem Freund anbot, schlossen die Strände in Costa Rica...

Das Ende vom Lied war ein Heimflug mit dem Rückholprogramm der deutschen Bundesregierung.

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Wir mussten den Flug natürlich zahlen. Trotzdem danke Deutschland für diesen grandiosen Dienst - für so viele zigtausende Menschen!


Dies war mein zweiter und letzter Vertrag als Rezeptionistin auf dem Kreuzfahrtschiff. Denn als ich vom meinem Einsatz und den anschließenden langersehnten Urlaub zurückkam, ist Corona auch in Deutschland angekommen! 

Meine weiteren Reisepläne und auch mein nächster Vertrag auf dem Schiff platzten und nach Jahren auf Reisen war ich wieder zurück in meiner alten Heimat München. 

Doch ich nutzte die Situation sinnvoll und baute mir ein ortsunabhängiges Online-Business auf, von dem ich schon so lange träumte!

Erfahre mehr über meinen Werdegang von der Angestellten zur digitalen Nomadin: Mehr über mich & meinen Ausstieg aus dem Hamsterrad!

Entdecke die Welt & Abenteuer mit mir!

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