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Ein crazy Bootsausflug in Brunei mit “tiefen” Folgen!

Bootsausflug in Brunei

Was als harmloser Bootsausflug in Brunei, von sieben gut gelaunten Deutschen geplant war, endete in einer unvergesslichen Story mit unsichtbaren Krokodilen, einem zahnlosen Kapitän und seiner untergehenden Nussschale, dem dicken Taxifahrer, und einer Rezeptionistin im rosa Prinzessinnen Rock...

???
Ok ich fange von vorne an!

Es war der erste Weihnachtsfeiertag und ein ganz normaler sonniger Mittwochmorgen auf der AIDAvita, welche im Hafen von Brunei ihre Leinen festmachte. Brunei ist ein unabhängiger Sultanstaat im Norden von Borneo/ Indonesien.

Kurz entschlossen sprang ich um 11:00 Uhr in meiner Mittagspause raus aus meiner Rezeptions-Kluft und rein in meinen rosa Prinzessinnen Rock.
Zur Erklärung für alle die es nicht wissen. Ich arbeitete zwei Winter als Rezeptionistin auf den AIDA Kreuzfahrtschiffen in Asien.

Bootsausflug in Brunei

Mit sechs anderen Gästen, welche unserem Rezeptionsteam ans Herz gewachsen waren, machten wir uns auf, zum Ausflug auf eigene Faust. Eine Bootstour schlug einer vor, der schon mal hier war, durch die Mangrovenwälder und so...

Der Rest der Truppe stimmte zu - der Bootsausflug in Brunei war beschlossen. Ein Taxi war schnell gefunden und nach einer erfolgreichen Preisverhandlung in Runde zwei waren wir im Spiel! Es ging ins Zentrum von Muara, zum Fluss Brunei.

Unser Taxifahrer habe da einen Freund, mit dem sollten wir natürlich die Bootstour machen, denn in Asien kennt ja immer irgendeiner irgendjemand!

Am Fluss Brunei angekommen sahen wir ein kleines Boot. Die Betonung liegt auf klein!
Der Kapitän war zahnlos und frei von Englischkenntnissen. "Aber was solls, Hauptsache er kann die Nussschale fahren!" Nun ging die nächste Preisverhandlung los und auch diese gewannen wir. Also alle Mann rein ins Boot!

Wenn du aufmerksam mitgelesen hast, dann weißt du, dass wir bereits zu siebt waren. Hinzu kommen der zahnlose Kapitän und der dicke Taxifahrer, der kurzum beschlossen hat auch mitzukommen. Er konnte ja immerhin Englisch!

Als die Hälfte der Besatzung im Boot war, neigte sich der Bootsrand (wie auch immer das in Fachsprache genannt wird) gefährlich nah dem Wasserspiegel. “Hmm, das wird sich schon ausgleichen“ hoffte ich.

Als letztlich auch der dicke Taxifahrer seinen Hintern im Boot hatte, glich es sich für meine Sichtverhältnisse wirklich wieder aus. "Kapitän Zahnlos" schmiss den Motor an und es ging los.

Ein einstündiger Bootsausflug in Brunei, wilde Natur, Mangrovenwälder, tropische Tiere und einfache Stelzenhäuser warteten auf uns!

Kreuzfahrt in Asien

„Mann das wird toll!“ - wäre da nicht das komische Gefühl, dass wir vielleicht doch absaufen könnten. Lange hielt mein Kopfkino nicht an, denn der dicke Taxifahrer am hinteren Ende der Nussschale fing an, hysterisch zu rufen „Go back, go back!“

Was? Go Back? Die Stunde ist doch noch lange nicht um! 

Ja aber unsere Lebenszeit vielleicht schon! 

Wer hätte es gedacht, wenn neun Leute in ein kleines Bötchen steigen, was passieren könnte...
Der Fall der Fälle ist eingetreten. Alle haben es befürchtet, keiner wollte seine Zweifel laut ausschreien, denn wir sind ja optimistisch und voller Abenteuergeist! Ich wiederhole mich: Wer hätte es gedacht???

Wir sinken!

Nach dem fünften Ausruf „Go back“ hat auch "Kapitän Zahnlos" verstanden, was Sache ist und riss die Motorlenkung in die andere Richtung. Unser gerade erst begonnener Bootsausflug in Brunei war schon wieder vorbei!

Der Anlegepunkt war in Sichtweite, wir werden das schon schaffen!
Nein, ich muss zugeben, Nahtoderscheinungen hatten sich noch nicht eingestellt, auch wenn diese sicherlich etwas Faszinierendes hätten. Der Optimist in mir versicherte zum zweiten Mal, dass wir das schaffen.

War auch so!

Genau so lange, bis die dicken Knie des Taxifahrers zusammen mit dem hinteren Ende des Bootes ins bakteriell-lebendig, grau-grüne Flusswasser eintauchten. Schrecken in den Gesichtern, die Taschen wurden an sich gerissen. Wir sanken tatsächlich!

Die Ersten schwammen die paar Meter ans Land und versuchen sich zu retten. Der dicke Taxifahrer war übrigens der Erste! Da muss ich doch glatt an die Costa Concordia und seinen Kapitän denken!

Zurück zum Thema! Die Ersten versuchten sich an Land zu hieven mit Sack & Pack. Nur doof, dass die Weltenbummlerin im rosa Prinzessinnen Röckchen ganz vorne beim "Kapitän Zahnlos" saß und somit, die letzte in der Nahrungskette - äh - Rettungskette war.

Die Nussschale ist schon locker einen halben Meter unter Wasser und ich steh immer noch im untergehenden Karren, die Hände über dem Kopf mit dem goldenen Rucksäckchen in der Hand, um das wichtigste Reiseutensil, das I Phone XR mit 64GB Speicherplatz, zu retten. 

Nobel geht die Welt zugrunde und im Zweifelsfall überlebt das I Phone. Ach, ich würde 200 €uro bezahlen, gäbe es von genau dieser Situation ein Foto! Ich, der rosa Prinzessinnen Rock, der goldene Rucksack und unter mir die schon halb versunkene Nussschale!

Am Ende musste auch ich schwimmen, denn der Prinz auf dem fliegenden Pferd, kam leider nicht zur Hilfe! Mein goldener Rucksack berührte ungefähr zwei Sekunden das Wasser, denn Superwoman kann schwimmen und dabei noch das I Phone retten!
Allerdings nur bis zur Anlegestelle, welche sich als steil senkrecht fallende Betonwand herausstellte. Naja, 65kg springen nicht alleine aus dem Wasser, ohne sich irgendwo abzustoßen oder hochziehen zu können!

Bootsausflug in Brunei

Nahtoderscheinungen? Nein, immer noch nicht. Ich weiß nicht, welche starken Arme es waren, aber sie haben mich aus dem Wasser gezogen. Nur fürs Protokoll, ich rettete sogar einen fremden Flip-Flop!

Leider verlor ich meinen eigenen Flip-Flop, als ich aus dem Fluss gehievt wurde.
So, wir haben alle überlebt! Der Taxifahrer hat sich bereits aus dem Staub gemacht, dafür kamen uns andere Einheimische zur Hilfe.

"Kapitän Zahnlos" kämpfte noch lange im Wasser sein Boot aus den Tiefen zurückzuholen. Irgendwann habe ich mich erbarmt und ihn bei der Rettung seines Öltanks geholfen. Der gute Mann kann ja auch nichts dafür, dass der dicke Taxifahrer, welcher sicher sein Freund war, mit einer Horde deutscher Urlauber und einer Rezeptionistin im Prinzessinnen Rock zu einem Bootsausflug in Brunei ankommt!

Dieser fünfminütige Ausflug hat ihn vermutlich seine ganze Existenz gekostet und noch dazu kommt, dass wir ihn noch nicht mal im Voraus bezahlt haben.

Nach einer guten halben Stunde Kampf und der Hilfe anderer Kapitäne, konnte er die Nussschale bergen.
Ich bete für ihn, dass sie wieder einsatzfähig und mittlerweile auch mit den vorgeschriebenen Rettungswesten ausgestattet ist. Aber vielleicht sitzt er auch im Brunei Gefängnis?! Dazu komme ich gleich noch!

Bootsausflug in Brunei

Wir gehen nochmal zurück im Film...
Als der Kapitän mit seinem Boot kämpfte, waren wir damit beschäftigt, den allerersten Schock zu überwinden. Der Prinzessinnen Rock war nass, wie auch alles andere. Nein stimmt nicht, mein goldener Rucksack mit dem I Phone blieb tatsächlich trocken!

Wunden wurden versorgt, ja eine echte "Piraten-Barbie" (so nannte mich ein Junge aus der Kinderkrippe, in der ich früher gearbeitet habe) geht natürlich mit Narben aus einem Abenteuer! Die Narbe ist mir übrigens geblieben ; )

Unseren Unmut gegenüber dem nicht mehr anwesenden Verursacher der ganzen Misere mussten wir rauslassen. Dampf ablassen - Wow, was für ein crazy Abenteuer

Die einheimischen Helfer meinten übrigens, wir seien lucky, denn der Fluss ist voller Krokodile!
Ach was für ein Spaß, die wichtigen Informationen erreichen einen immer zum richtigen Zeitpunkt. 

Das mit den Krokodilen war kein Scherz!

Reiseblog

Foto: Pixabay.com

Und noch bevor das Boot gerettet war, wurde auch mein verlorener Flip-Flop gerettet. Juhu!

Um etwas zu beschließen, waren wir nach diesem Erlebnis nicht in der Lage. „Zum Schiff zurück, Dusche, Cocktail“ – das waren die Ankündigungen. „Ins Zentrum laufen, ein Taxi suchen oder doch mit dem Bus fahren“. Irgendwie so...


Mein Wunsch war von Anfang an, die Sultanmoschee zu sehen. Ich hatte mir schon alle mit meinem Filter bearbeiteten Fotos in Gedanken ausgemalt. Der Bootsausflug in Brunei kam dazwischen!

Mein Glück war, dass die Moschee zufällig im Zentrum war, in unmittelbarer Nähe von Verkehrsmitteln jeglicher Art.

Bootsausflug in Brunei

Dass ich außerdem schon die ganze Zeit vom Essen sprach, wurde von der Ausflugstruppe bisher gekonnt überhört. Wahrscheinlich hat man als Gast nach zehn Tagen AIDA Kreuzfahrt weniger Hunger als Rezeptionistinnen, die täglich ihre Nerven aus Stahl neu unter Beweis stellen müssen!


Als wir an einem Streetfood Stand, mit wahnsinnig nahrhaft frittierten 1 €uro Gerichten vorbeikamen, konnte sich der Tiger in meinem vegetarischen Magen durchsetzen. Und eine "O-Cola" gab es noch für einen weiteren €uro obendrauf.

Wir haben übrigens nicht mit €uro bezahlt, sondern mit Singapur Dollar, welchem dem Brunei Dollar gleichgesetzt ist. Nur um den Irrglauben aller Urlauber, dass man auf Borneo mit €uro zahlen kann, von vorne herein im Keim zu ersticken!

Du fragst dich, was eine O-Cola ist?

Als ich vor Jahren mit einer Freundin bei 38 Grad ein ganzes Wochenende durch Rom gelatscht bin, habe ich festgestellt, dass eine gut gekühlte Cola, bei mehr als 30 Grad fast so gut wie ein Orgasmus ist. Deshalb die "O-Cola" -  für Org.....! 
Wieder was gelernt, he!

Also, um die ganze Story in Kürze zu beenden. Ich habe meine immer noch geschockten Mitreisenden genötigt, 101 Moscheen Bilder von mir zu schießen. In der Sultanmoschee selbst war ich jedoch nicht drin.


Bootsauflug in Brunei

Als wir von unserem Erlebnis Ausflug zurück am Schiff waren, frisch geduscht, die Wunden versorgt, sowie in neue Kleider gehüllt, erwartete uns die örtliche Polizei und die Hafenagentur zum Verhör. Denn diese wurden von einem anwesenden Lokal mit Bildern informiert.

Ob wir Stars - oder Verbrecher waren, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht! Alle meine Vorgesetzten waren auch mit von der Partie. Juhu!

Alles gut, die Polizei hatte Mitleid mit uns und wollte nur sichergehen, dass wir ok sind. Der Kapitän wurde geschnappt, den dicken Taxifahrer mussten wir so genau wie möglich beschreiben:
Hmm, wie setzt man da an. Klein, dick, alt, braune Haut, schwarze Haare, wenig Zähne und ein Auto. Passt wahrscheinlich auf ein Viertel der Einwohner ; )

Liebe Leute, groß und klein - steigt besser nicht in jedes Boot ein. Die Moral aus der Geschicht: Abenteuer sind toll - und noch toller mit Umsicht!

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PS: Den rosa Prinzessinnen Rock habe ich übrigens in Singapur in einem Kindergeschäft gekauft. Der muss wohl für besonderes große und kräftige Mädchen gemacht worden sein, denn er passt mir tatsächlich!

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